💬 Frag Florian · Folge 3 · 5 Min. Lesezeit

DIE FRAGE

„Meine Eltern sagen, ich soll unbedingt einen Riester-Vertrag abschließen, weil es da Zulagen vom Staat gibt. Aber ich habe online gelesen, dass Riester eigentlich schlecht sein soll. Was stimmt jetzt?“

Gefragt von einem 29-jährigen angestellten Ingenieur, der kürzlich geheiratet hat und sich nun mit Altersvorsorge beschäftigt — auch weil seine Frau in Elternzeit ist und die Familie über staatliche Förderungen nachdenkt.

Eine der Fragen, bei denen beide Seiten ein bisschen recht haben — und genau deshalb lohnt es sich, das einmal in Ruhe durchzugehen, statt nur „Riester ist gut“ oder „Riester ist schlecht“ zu hören.

Kurz gesagt

Riester kann sich für bestimmte Personengruppen lohnen — vor allem für Menschen mit Kindern und niedrigerem Einkommen, weil die Zulagen dann prozentual stark ins Gewicht fallen. Für viele andere ist ein ETF- / Fondssparplan oder eine andere Form der Altersvorsorge oft die flexiblere und renditestärkere Variante.

Die ausführliche Antwort

Die Kritik an Riester kommt meist aus drei Richtungen: hohe Abschluss- und Verwaltungskosten bei vielen älteren Verträgen, die Garantie-Pflicht (der Anbieter muss mindestens die eingezahlten Beiträge garantieren, was die Rendite-Chancen einschränkt, weil weniger in Aktien investiert werden darf), und die volle Steuerpflicht in der Auszahlungsphase. Das sind reale Nachteile, und sie sind der Grund, warum Riester in den letzten Jahren in Verruf geraten ist.

Auf der anderen Seite stehen die Zulagen: Die Grundzulage liegt derzeit bei 175 € pro Jahr, plus 300 € pro Kind (für nach 2008 geborene Kinder). Wenn deine Frau in Elternzeit ist und ihr ein oder mehrere Kinder habt, können diese Kinderzulagen einen erheblichen Teil der jährlichen Beiträge ausmachen — in manchen Fällen wird ein großer Anteil der Einzahlung direkt vom Staat übernommen. Das ist der Punkt, an dem Riester für Familien mit Kindern tatsächlich attraktiv werden kann, besonders wenn ein Elternteil wenig oder kein eigenes Einkommen hat.

Für dich als Ingenieur mit vermutlich überdurchschnittlichem Einkommen sieht die Rechnung anders aus: Die Zulagen machen bei höherem Einkommen prozentual weniger aus, während die Flexibilitätseinschränkungen (Kapital ist bis zur Rente gebunden, Auszahlung ist voll steuerpflichtig) stärker wiegen. Hier wäre die Frage eher: Wie sieht eure Gesamtstrategie aus — wollt ihr parallel auch in ein ETF- / Fondsportfolio investieren, das flexibler bleibt? Und plant ihr eine Immobilie, bei der ein Privates Rentendepot als Ergänzung sinnvoll wäre?

Die Eltern haben also nicht „unrecht“ — die Zulagen sind real und für eure Familienkonstellation potenziell relevant. Die Kritiker online haben aber auch nicht „unrecht“ — die strukturellen Nachteile sind real. Die Wahrheit ist: Es kommt auf eure konkrete Situation an, nicht auf eine pauschale Antwort.

✅ ZUM MITNEHMEN

Bevor du etwas unterschreibst: Lass dir konkret durchrechnen, wie hoch die Zulagen in eurem Fall tatsächlich wären (abhängig von Kinderzahl, Einkommen, Beitragshöhe) — und vergleiche das mit den Kosten des konkreten Vertrags. Erst dann lässt sich seriös sagen, ob es sich für euch lohnt oder nicht.

💬 Was denkst du? Hast du selbst einen Riester-Vertrag — und wie zufrieden bist du damit? Eure Erfahrungen helfen anderen, die gerade vor der gleichen Entscheidung stehen.


📬 Eigene Frage? Schreib mir auf LinkedIn oder im kostenlosen Erstgespräch — vielleicht wird sie zur nächsten Folge.

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