Lesedauer: ca. 8 Minuten · von Florian Völkel · Mentor für Karriere & Vermögensaufbau · Juni 2026

ETF-Depot eröffnen als Berufseinsteiger: Schritt für Schritt

Du hast dein erstes Gehalt bekommen, dein Konto ist halbwegs im Griff — und jetzt fragst du dich, ob du endlich mit Investieren anfangen solltest.

Die Antwort ist fast immer: ja. Und der beste Einstieg für die meisten Berufseinsteiger ist ein ETF- / Fonds-Depot mit einem automatisierten Sparplan.

Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, wie du vorgehst. Ohne Fachjargon, ohne Produktwerbung — und mit einem ehrlichen Hinweis am Ende, was die meisten trotzdem falsch machen.


Bevor du anfängst: Das Fundament muss stehen

Bevor wir zu Broker und ETF / Fonds kommen, ein kurzer aber wichtiger Stopp.

Ein Depot ist kein Fundament. Es ist das dritte Stockwerk. Wer ohne Fundament baut, riskiert im schlimmsten Moment — Jobverlust, Krankheit, unerwartete Ausgabe — sein Depot wieder auflösen zu müssen. Das kostet Nerven, oft Geld durch schlechtes Timing, und vor allem: die wertvolle Zeit im Markt.

Das Fundament sieht so aus:

  • Notgroschen vorhanden? Mindestens 2–3 Netto-Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto. Sofort verfügbar, kein Risiko.
  • Berufsunfähigkeitsabsicherung (BU) geklärt? Das ist die wichtigste Versicherung für Berufseinsteiger — sie schützt dein Einkommen. Ohne Einkommen kein Sparplan.
  • Haushaltsbuch oder Budgetplan? Du musst wissen, wie viel am Ende des Monats wirklich übrig bleibt — und wie viel du dauerhaft investieren kannst.

Wenn all das steht, kannst du loslegen.

1

Klären, wie viel du monatlich investieren kannst

Ein ETF- / Fonds-Sparplan funktioniert am besten, wenn er automatisiert läuft — Monat für Monat, unabhängig davon, ob die Märkte gerade oben oder unten sind. Das nennt sich Cost-Average-Effekt: Du kaufst mal teuer, mal günstig und glättest damit über Zeit den Einstiegspreis.

Die wichtigste Regel: Investiere nur Geld, das du in den nächsten 5–7 Jahren nicht brauchst. Das Depot ist kein Tagesgeldkonto, kein Notgroschen, keine Urlaubskasse.

Für Berufseinsteiger ist oft ein Betrag zwischen 50 und 300 € im Monat sinnvoll. Kein pauschaler Richtwert — das hängt von deinem Einkommen, deinen Fixkosten und deinen anderen Zielen ab.

2

Den richtigen Broker wählen

Ein Broker ist das Unternehmen, über das du Aktien, ETFs / Fonds und andere Wertpapiere kaufst und verwaltest. Du brauchst ein Depot bei einem Broker, bevor du investieren kannst.

Worauf du achten solltest: Depotgebühren, Sparplangebühren, Auswahl an ETFs / Fonds, Benutzerfreundlichkeit sowie Einlagensicherung und Regulierung.

Beispiele, die viele Einsteiger nutzen: Trade Republic, Scalable Capital, ING Depot, DKB. Kein konkreter Tipp von mir, welcher der „beste“ ist — das hängt von deiner Situation ab.

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Den richtigen ETF / Fonds auswählen

Für die meisten Berufseinsteiger gilt: Ein breit diversifizierter globaler Aktienindex-ETF / Fonds als Basis reicht. Du musst kein Portfolio aus 12 verschiedenen ETFs / Fonds zusammenstellen. Das erhöht meistens nur die Komplexität, ohne den Ertrag zu verbessern.

Ein MSCI World ETF / Fonds enthält rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Ein FTSE All-World ETF / Fonds geht noch weiter und bezieht auch Schwellenländer ein — ca. 3.700 Unternehmen.

4

Depot eröffnen — der konkrete Ablauf

Der technische Prozess ist in der Regel unkompliziert: Broker-Website oder App öffnen, persönliche Daten eingeben, Identifikation per Video-Ident oder Post-Ident durchführen, Risikohinweise bestätigen und Depot aktivieren. Meistens dauert die Aktivierung 1–3 Werktage.

5

Sparplan einrichten und automatisieren

Gehe in deinem Depot auf „Sparplan einrichten“, wähle deinen ETF / Fonds, lege den monatlichen Betrag fest und wähle den Ausführungstag. Dann läuft er automatisch — Monat für Monat, ohne dass du etwas tun musst.

Empfehlung: Leg den Ausführungstag auf kurz nach dem Gehaltseingang. So wird das Geld automatisch „weggespart“, bevor du es ausgeben kannst.

6

Steuern nicht vergessen

Auf Kapitalerträge — Dividenden und realisierte Gewinne — fallen in Deutschland 26,375 % Abgeltungsteuer an (inkl. Solidaritätszuschlag). Richte den Freistellungsauftrag direkt beim Broker ein und beachte bei thesaurierenden ETFs / Fonds die Vorabpauschale.

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Worauf beim ETF / Fonds achten?

  • TER (Total Expense Ratio): Die jährliche Verwaltungsgebühr. Für gängige ETFs / Fonds liegt sie zwischen 0,07 % und 0,25 %.
  • Fondsgröße: Größere Fonds (> 500 Mio. €) sind stabiler und werden seltener geschlossen.
  • Replikationsmethode: Physisch replizierende ETFs / Fonds kaufen tatsächlich die im Index enthaltenen Aktien. Das ist in der Regel transparenter als synthetische Replikation.
  • Thesaurierend vs. ausschüttend: Thesaurierende ETFs / Fonds reinvestieren Dividenden automatisch — das maximiert den Zinseszinseffekt. Ausschüttende zahlen Dividenden auf dein Konto aus.

Ein konkretes Beispiel

BetragETF / FondsRenditeLaufzeitErgebnis
200 € / MonatMSCI World7 % p.a.30 Jahreca. 243.000 € — davon ca. 72.000 € selbst eingezahlt, ca. 171.000 € durch Zinseszins

📈 Spiel mit deinen eigenen Zahlen im Vermögens-Simulator — du siehst sofort, was 5 oder 10 Jahre früher starten bedeuten.

Was die meisten trotzdem falsch machen

Zu früh wieder verkaufen

Der Markt korrigiert — und plötzlich ist das Depot 20 % im Minus. Wer dann verkauft, realisiert den Verlust. Wer durchhält, profitiert von der Erholung. Kurzfristige Schwankungen sind normal. Ein Depot ist ein Langfristprojekt.

Zu komplex starten

8 verschiedene ETFs / Fonds, Einzel-Aktien, Krypto als Beimischung — von Anfang an. Starte einfach. Ein ETF / Fonds, ein Sparplan, automatisiert. Den Rest kannst du später ergänzen, wenn du Erfahrung hast.

Vergessen, den Steuerfreibetrag einzustellen

Klingt banal, kostet aber echtes Geld, wenn man es vergisst.

Das Depot als einzige Säule

Ein Depot ersetzt keine BU-Versicherung, keinen Notgroschen und keine Altersvorsorge-Struktur. Es ist ein wichtiger Baustein — aber nur einer.

Zusammenfassung: Die 6 Schritte

  1. Fundament klären — Notgroschen, BU, Budget
  2. Sparrate festlegen — nur Geld, das du 5–7 Jahre nicht brauchst
  3. Broker wählen — kostenlos, seriös, gute Sparplan-Optionen
  4. ETF / Fonds auswählen — breit, günstig, thesaurierend
  5. Depot eröffnen & Sparplan einrichten — automatisieren
  6. Freistellungsauftrag einrichten — Steuerfreibetrag nutzen

Nächster Schritt

Kostenloses Erstgespräch buchen: Wenn du weißt, was du tun musst, aber nicht sicher bist, ob dein konkreter Plan sinnvoll ist — darüber sprechen wir. Nicht Produkte. Sondern deine Situation, deine Zahlen, deine nächsten Schritte.

Florian Völkel ist lizenzierter Finanzberater (§ 34c, d GewO) bei MLP Finanzberatung SE in Nürnberg. Vergütung erfolgt provisionsbasiert — wird offen kommuniziert. Dieser Artikel stellt keine individuelle Anlageberatung dar.

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